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Ablauf einer Strahlentherapie

Der Radioonkologe (Strahlentherapeut) stellt die Indikation zu einer Strahlentherapie. Nach entsprechender Untersuchung, Sichtung aller Unterlagen und ggf. Ergänzung der Diagnostik klärt er den Patienten im Aufklärungsgespräch über Aufwand, Erfolgsaussichten und Risiken der Strahlenbehandlung auf.

Man unterscheidet folgende Indikationsgruppen:

  1. Die kurative Strahlentherapie:
    Eine bösartige Krankheit wird ausschließlich mittels Strahlentherapie geheilt. Die Strahlentherapie ist häufig die Methode der 1. Wahl bei bestimmten Arten von Lymphknotenkrebs, Krebsgeschwülsten im Kopf-/Halsbereich, bei Hautcarcinomen, aber auch bei weiteren Organtumoren wie der Lunge, des Enddarmes und bei einzelnen seltenen Krankheitsbildern.
    Bei der kurativen Strahlentherapie sind häufig hohe Gesamtdosen erforderlich, um ein Tumorleiden komplett zu sanieren.
     
  2. Adjuvante Strahlentherapie:
    Der Tumorherd ist in der Regel operativ entfernt. Es besteht ein erhöhtes Rückfallrisiko, da die Operation in vielen Körperregionen nicht weitläufig im Gesunden erfolgen kann. Die nach der Operation durchgeführte Strahlentherapie trägt entscheidend zur Heilung des Patienten bei, indem das Rückfallrisiko wesentlich vermindert wird. Ein typisches Beispiel hierfür sind die Strahlentherapie der Brust nach operativer Tumorentfernung.
     
  3. Radiochemotherapie:
    Bei bestimmten Organtumoren wird der Effekt der Strahlentherapie durch eine gleichzeitige Chemotherapie unterstützt. Ziel ist es, die Heilung noch wahrscheinlicher zu machen, oder die Gesamtdosis der applizierten Bestrahlung zu reduzieren, um Nebenwirkungen zu verringern. Beispiele hierfür sind die Behandlung des Blasenkrebses, bestimmter Formen des Enddarmkrebses oder die Strahlentherapie von nicht operablen Kopf-/Halstumoren. Hierdurch ist der Organerhalt (Blase, Kehlkopf, Enddarm) möglich und die Operation vermeidbar.
     
  4. Palliative Strahlentherapie:
    Ziel ist nicht die Heilung, sondern die Beschwerdelinderung. Gut die Hälfte aller Tumorerkrankungen ist nicht heilbar, wohl aber behandelbar. Patienten werden durch Metastasen oder durch die ungünstige Auswirkung des Primärtumors erheblich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, sei es durch Schmerzen, durch Immobilität und Bettlägrigkeit oder durch Erstickungsanfälle. Die Strahlentherapie trägt in entscheidendem Maße zur Schmerzlinderung bzw. zur Schmerzbeseitigung bei, stabilisiert den Knochen bei Knochenmetastasen und drohender Bruchgefahr, beseitigt tumoröse Infiltrationen von Nervensträngen.
     
    Der Einsatz bei blutenden Tumoren und bei funktionsbeeinträchtigenden Metastasen ist ebenfalls hoch effektiv. Die Strahlentherapie trägt somit zur wesentlichen Steigerung der Lebensqualität bei, verlängert mitunter auch das Leben, indem sie Bettlägrigkeit und hierdurch drohende Komplikationen (Thrombose, Lungenembolie) vermeidet. Die applizierte Dosis ist in der Regel wesentlich niedriger, die Patienten sind nur geringen Belastungen durch die Strahlentherapie ausgesetzt. Wesentlich ist, dass der Radioonkologe sich um den Patienten in seiner Gesamtheit bemüht, das heißt auch Berücksichtigung der sozialen Komponente, Kontakt mit Hausarzt, beteiligten Fachärzten sowie Pflegediensten, ggf. ebenso Zusammenarbeit mit Psychologen, Sozialdiensten, Seelsorgern und sonstigen betreuenden Gruppen (Hospizverein, Selbsthilfegruppe usw.).
     
  5. Neoadjuvante Strahlentherapie:
    Die primär durchgeführte Strahlentherapie verkleinert den Tumor, der anschließend operabel wird. Die Bestrahlung ermöglicht damit die Heilung eines zuvor nicht heilbaren Tumorleidens.
     
  6. Intraoperative Strahlentherapie:
    Spezielle Krankheitsbilder profitieren von der einmalig durchgeführten Strahlentherapie bei offengelegten Tumor: bei nicht operablem Tumor der Bauchspeicheldrüse kann am offenen Bauch die Strahlentherapie während der Operation erfolgen, dies mit hoher Strahlendosis.
     
    Für den Patienten ist das Verfahren insoweit schonend, als umgebender Dünndarm aus dem Bestrahlungsgebiet verlagert ist und durch die Bestrahlung nicht beeinträchtigt wird.
     
  7. Stereotaktische Strahlentherapie:
    Ein kleiner Bezirk (Gefäßtumor, maligner Tumor), z.B. nicht operabel im Gehirn lokalisiert, wird aus verschiedenen Richtungen in einer Sitzung bestrahlt, so dass eine hohe Bündelung der Strahlenaktivität im Tumor möglich ist bei weitestgehender Schonung umliegenden gesunden Gewebes. Durch die hohe Dosis dieser Einzeitbestrahlung kommt es zum sofortigen Zelltod (Radiochirurgie).
     
  8. Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen:
    Hierzu gehört insbesondere die Entzündungsbestrahlung degenerativer Gelenk- und Skeletterkrankungen: Durch die mehrfache Applikation kleiner Strahlenmengen gelingt es häufig auch in weitgehend austherapierten Fällen, eine langanhaltende Beschwerdelinderung oder Beschwerdefreiheit zu ermöglichen. Klassische Beispiele hierfür sind die schmerzhafte Schultersteife, der Tennisellenbogen, der Fersensporn, sowie zahlreiche Arthrosen. Die Strahlentherapie ist hierbei wesentlich nebenwirkungsärmer und weit effektiver als sämtliche Alternativverfahren wie die Gabe von Antirheumatika und von Cortison, insbesondere auch was Nebenwirkungen sowie Risiken anbelangt, sowie wesentlich kostengünstiger. Hoch-effektiv ist auch die Strahlenbehandlung in der Vermeidung von Weichteilverkalkungen, insbesondere nach Gelenkersatz. Ein Beispiel ist die Bestrahlung der periartikulären Weichteile nach Hüftgelenksersatz. Verkalkungen machen oft den Erfolg einer neuen Hüftgelenksprothese zunichte. Die einmalig postoperativ durchgeführte Strahlentherapie reduziert dieses Risiko um etwa 90 %, so dass hier mit einem wesentlich besseren langfristigen funktionellen Ergebnis gerechnet werden kann.

Im Aufklärungsgespräch

erfährt der Patient, welches strahlentherapeutische Konzept ihm der Radioonkologe vorschlägt. In der Regel erfolgt eine Strahlentherapie 5 mal pro Woche bei täglich einer Sitzung (Bestrahlungsfraktion). Die verordnete Dosis addiert sich durch die Anzahl der einzelnen Bestrahlungsfraktionen: werden z.B. 60 Gy verordnet (Gy ist die Einheit der Ionendosis, = Bestrahlungsstärke), so erfolgt meist die Bestrahlung in 30 Sitzungen zu 2 Gy. Die Gesamtdauer der Bestrahlung beträgt damit ca. 6 Wochen. Eine einzelne Sitzung dauert häufig nur wenige Minuten bis maximal 20 Minuten je nach Wahl der Bestrahlungstechnik.

 

Die meisten Strahlenbehandlungen können ambulant erfolgen und sind dadurch sehr kosteneffektiv. Während der Strahlentherapie wird der Patient engmaschig überwacht, um evtl. auftretende Nebenwirkungen frühzeitig zu erfassen und zu behandeln. Spezielle Vorsichtsmaßnahmen während der Bestrahlung (Hautpflege, Ernährung, Ratschläge zur Lebensführung) bespricht der Radioonkologe mit dem Patienten. Häufig werden vorbeugende Maßnahmen bereits zu Beginn der Strahlentherapie empfohlen und eingeleitet, um evtl. auftretende Nebenwirkungen zu minimieren.

 

Ist die Strahlentherapie beendet, überzeugt sich der Radioonkologe in der Regel nach 4 Wochen vom Behandlungserfolg, registriert evtl. auftretende Nebenwirkungen, entscheidet über evtl. Fortsetzung der Behandlung oder über anderweitige medizinische Zusatzmaßnahmen oder Kurmaßnahmen.

 

Eine langjährige Nachsorge, ist für den Radioonkologen verpflichtend. Da Nebenwirkungen nach Strahlentherapie häufig erst sehr spät auftreten, muß der Strahlentherapeut auch hierüber informiert werden bzw. sie selbst diagnostizieren, um in künftigen Behandlungen das Risikopotential entsprechend zu berücksichtigen (Qualitätssicherung). Häufig ist die Unterscheidung zwischen Behandlungsfolgen und einem Tumorrezidiv schwierig. Von nicht strahlentherapeutisch ausgebildeten Kollegen wird leider allzu häufig der "Strahlenschaden" diagnostiziert, was der interdisziplinären Kooperation nicht sonderlich förderlich ist. Umso schlimmer ist es für den Patienten, wenn der Strahlenschaden gar keiner ist, sondern auf eine erneute Tumoraktivität zurückzuführen ist und der Patient keiner geeigneten Behandlung zugeführt wird. Hier ist der Rat des Radioonkologen frühzeitig erforderlich. Sogenannte Schäden nach Strahlentherapie sind auch in vielen Fällen nicht oder nur kaum auf die Strahlentherapie zurückzuführen, sondern mitunter ein Kombinationseffekt aus Operation, Chemotherapie und Bestrahlung, sofern nicht durch die zerstörerische Art des Tumors bedingt.