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Entwicklung der Strahlentherapie

  • 1895: Wilhelm Conrad Röntgen entdeckt die nach ihm benannten Strahlen. Wenige Monate später wird bereits über Haarausfall und Hautschäden bei der Anwendung berichtet. Betroffen sind zumeist die Wissenschaftler selbst.
     
  • 1896: Erste Röntgentherapie (Mädchen mit Tierfellnaevus). Neben der erwünschten Enthaarung kommt es zu einer nässenden Hautschädigung .
    Forderungen nach Meßmöglichkeiten der verabreichten Dosis werden laut und es beginnt die Suche nach therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten der neuen Strahlen.
     
  • 1902: Nach anfänglich ausschließlicher Nutzung oberflächlich gelegener Erkrankungen (z.B. Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, Ekzeme, Hauttumore), Beginn der Strahlentherapie auch tiefer im Körper gelegener Gebiete (anfänglich häufig Gebärmuttertumore).
     
  • 1910: Beginn der Anwendung von Radium-226- Nadeln und -Kapseln für die Einlage in Körperhöhlen und Einstechen in Tumore .
     
    Techniken der Bestrahlungsplanung und exakten Feldfestlegung während einer Bestrahlungsserie werden entwickelt, z.B. Bestrahlung aus unterschiedlichen Richtungen mit Einzelfeldern, die sich im Zielgebiet treffen oder Bewegungsbestrahlungen (d.h. bewegter Bestrahlungskopf während der Therapie). Forschungen über notwendige Ausdehnung von Zielgebieten und Überlegungen zur anzustrebenden Dosis werden verstärkt. Beginn der Forschung über Zellbiologie bösartiger Zellen.
     
  • ab ca. 1930: Bau der ersten Linearbeschleuniger in den USA, anfangs max. Energie von 1 Megaelektronenvolt (1 MeV). 1935 2,5 MeV Beschleuniger in Berlin.
     
  • 1944: Erstes Elektronensynchrotron,d.h. Einführung einer neuen Strahlenart. Neben Röntgenstrahlen aus der konventionellen Röntgenröhre bis ca 0,2 MeV, ultraharter Röntgenstrahlung aus dem Beschleuniger (heute praktische Anwendung von bis zu 20 MeV) nun auch Einsatz von beschleunigten Elektronen mit definierter Energie und somit definierter Eindringtiefe.
     
  • ab ca. 1950: Einführung radioaktiver Strahlungsquellen wie Cobalt-60 (Gammaenergie von 1,17 und 1,33 MeV) und Cäsium-137 (Gammaenergie von 0,66 MeV) in externen Bestrahlungsanlagen.
     
  • 1953: Einführung einer verbindlichen Einheit für die (Energie-)Dosis, das Rad (rd), ab 1976 von der neuen SI-Einheit "Gray" (Gy) abgelöst.
     
  • ab ca. 1970: Einführung neuer technischer Hilfsmittel wie Bestrahlungsplanungsrechnern, Simulatoren (techn. Einrichtung zur exakten Simulation von Bestrahlungsfeldern allein unter Einsatz einer gewöhnlichen Durchleuchtungsanlage), Computertomographieaufnahmen als Grundlage für Bestrahlungspläne (welche wiederum am Simulator auf den Patienten übertragen werden können). 
     
    Einführung von Teilchenbeschleunigern (z.B. Neutronen ,Protonen) in die Strahlentherapie bei besonderen Problemfällen.
     
    Erste Versuche mit kombinierten Behandlungsverfahren wie z.B. Chemotherapie, Immuntherapie (Gabe von körpereigenen Botenstoffen in hoher Dosierung zur Stimulation der eigenen Abwehrsysteme), Strahlentherapie vor oder nach chirurgischen Maßnahmen, Hyperthermie (starke Erwärmung zu behandelnder Regionen) in Kombination mit Strahlentherapie.
     
    Ablösung der Radiumeinlagen (insbesondere bei der Therapie gynäkologischer Tumore im Einsatz) durch das moderne Afterloading-Verfahren (rechnergesteuertes Nachladen von anfangs leeren Hohlsonden mit sehr kleinen radioaktiven Strahlern , die in die Sonden, somit in den Patienten eingefahren werden können). Vorteil ist eine verbesserte Dosierung im Patienten, die Möglichkeit zur Gabe auch von hohen Einzeldosen in akzeptabler Zeit und ein guter Strahlenschutz für das beteiligte medizinische Personal.
     
  • 1988: Strahlentherapeut/-in als eigenständige Facharztbezeichnung. Somit Trennung der alten Gemeinsamkeit von diagnostischer Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie. 
     
  • ab ca. 1990: Deutliche Verbesserung der Planungsrechner mit der Möglichkeit zur Erstellung dreidimensionaler Bestrahlungsvorlagen.
     
  • ab ca. 2001: Einführung der intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT).