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Klassifizierung von Herzrhythmusstörungen

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In Ruhe schlägt das menschliche Herz mit einer Frequenz von 60 bis 100/min. Zeigen sich langsame Herzaktionen (30-60 Schläge/Minute), sprechen wir von einer Bradykardie. Dies kann Beschwerden wie Schwäche, Luftnot, Unwohlsein, Schwindelgefühle und im Extrem auch eine Bewusstlosigkeit (Synkope) verursachen.

Eine Herzfrequenz oberhalb von 100/min wird als Tachykardie bezeichnet. Die meisten Herzrhythmusstörungen („Tachykardien“) gehen mit einer beschleunigten Herzaktion einher und werden als „Herzrasen“ wahrgenommen. Herzrhythmusstörungen werden in Abhängigkeit von ihrem Entstehungsort in den Herzvorhöfen als supraventrikuläre-, bzw. den Herzkammern,- als ventrikuläre Rhythmusstörungen bezeichnet. Ventrikuläre Rhythmusstörungen, die in den Herzkammern entstehen, können einen lebensbedrohlichen Herzkreislaufstillstand verursachen.

Supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen

Im Folgenden finden Sie die häufigsten in unserer Klinik behandelten Herzrhythmusstörungen

Vorhofflattern

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Bei typischem Vorhofflattern handelt es sich um eine Rhythmusstörung, die durch eine schnelle, kreisende Erregung im rechten Vorhof verursacht wird. Anhaltendes Vorhofflattern, häufig verbunden mit anhaltend schnellem Puls (~ 120-140/min), kann neben den Symptomen der Erschöpfung und Luftnot auch zu einer Herzschwäche führen. Ebenfalls besteht ein erhöhtes Schlaganfallsrisiko. Die Therapie der Wahl ist die sogenannte Katheterablation (Verödungstherapie). Mit diesem Kathetereingriff ist es uns in mehr als 95 Prozent der Fälle möglich, diese Rhythmusstörung dauerhaft zu beseitigen.

Vorhofflimmern

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Die häufigste Rhythmusstörung des Herzens ist das Vorhofflimmern. Begünstigend für das Auftreten von Vorhofflimmern können Bluthochdruck, Diabetes mellitus, sowie alle Arten von Herz-Kreislauferkrankungen sein. Unabhängig davon tritt Vorhofflimmern mit zunehmendem Lebensalter gehäuft auf. Beim Vorhofflimmern liegt eine sehr schnelle elektrische Erregung der Herzvorhöfe vor, die sich nicht mehr im Wechsel mit den Herzkammern kontrahieren, sondern in Bezug auf ihre Kontraktion funktionell stillstehen. Man kann diesen Zustand wie einen elektrischen Wirbelsturm beschreiben, der die Herzvorhöfe betrifft, und einen Verlust der Vorhofkontraktion zur Folge hat. Die Herzkammern empfangen über den AV-Knoten diese nun beschleunigten und unregelmäßig eintreffenden elektrischen Impulse. Das Herz schlägt oft schneller, dabei jedoch völlig unregelmäßig. Gerade die schnellen und dabei völlig unregelmäßigen Herzaktionen, gefühlt durch den ebenso unregelmäßigen Puls wird oft als unangenehm empfunden. Abhängig von der Anfalls-Häufung wird unterschieden:

• Paroxysmales Vorhofflimmern: Anfallsartiges Vorhofflimmern, das meist
   innerhalb von circa 48 Stunden von selbst endet
• Persistierendes Vorhofflimmern: Mehr als sieben Tage andauerndes
   Vorhofflimmern. Der Sinusrhythmus kann durch eine elektrische
   Kardioversion (Elektroschock) wieder hergestellt werden
• Permanentes Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern liegt als Dauerzustand vor,
   es besteht keine Möglichkeit, den Sinusrhythmus wieder zu erreichen.

Die Wahrnehmung dieser Rhythmusstörung ist individuell sehr unterschiedlich. Ein Teil der Patienten nimmt Vorhofflimmern nicht wahr (asymptomatisch), wohingegen andere Patienten eine erhebliche Einschränkung ihres Befindens durch die Rhythmusstörung erfahren (symptomatisch). Beispiele hierfür sind unangenehmes Herzstolpern, Brustschmerz, Luftnot, Abgeschlagenheit, Leistungseinbuße, Müdigkeit oder Schwindel. Bei länger bestehendem Vorhofflimmern, welches mit anhaltend schnellem Puls einhergeht, besteht die Gefahr, dass sich eine Pumpschwäche des Herzens, eine Herzinsuffizienz einwickelt. Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Ursachen des Schlaganfalls, da sich in dem mechanisch stillstehendem linken Herzvorhof leichter Blutgerinnsel bilden können, die fortgetragen mit dem Blutstrom einen Schlaganfall verursachen können.

Grundsätzlich unterscheiden sich zwei therapeutische Strategien, die sich an den Beschwerden der Patienten orientieren:

• Frequenz-kontrollierende Therapie: Dies empfiehlt sich vor allem bei
   Patienten, welche Vorhofflimmern nicht wahrnehmen (asymptomatische
   Patienten) und bei denen auch kein Herzrasen im Zusammenhang mit dem
   Vorhofflimmern vorliegt. Die Rhythmusstörung wird gut toleriert, eine 
   eventuell noch erhöhte Herzfrequenz lässt sich problemlos durch Beta-
   Blocker absenken.
• Rhythmus-kontrollierende Therapie: Die Therapie hat zum Ziel, den normalen
   Sinusrhythmus zu erhalten und das Vorhofflimmern zu beseitigen.

Therapeutisch bieten sich hier folgende Möglichkeiten

• Spezielle Medikamente (Antiarrhythmika)

• Katheterablation: Mittels einer elektrischen Isolation der Lungenvenen ist
   eine anhaltende Beschwerdefreiheit bei paroxysmalem Vorhofflimmern (70-80 Prozent) und bei persistierendem Vorhofflimmern (55-60 Prozent) nach einem Kathetereingriff zu erwarten.

Nach einer Katheterablation (Verödung) von Vorhofflimmern ist erfahrungsgemäß erst nach etwa drei Monaten der anhaltende Erfolg des Eingriffes abzuschätzen. Gerne besprechen wir mit Ihnen Ihre persönliche Situation, das für Sie geeignete Vorgehen mit der zu erwartenden Erfolgschance in Ihrem speziellen Fall.

AV-Knoten-Reentry-Tachykardie

Die Überleitung des elektrischen Signals von den Vorhöfen auf die Herzkammern findet am AV-Knoten statt. In der Nachbarschaft dieser Struktur kann sich zusätzliches Leitungsgewebe befinden, welches es ermöglicht, das ein elektrischer Impuls im Sinne eines Kurzschluss sehr schnell im Kreis läuft und die Herzkammern plötzlich durch sehr schnelle Impulse rasen lässt. Die oft auch jüngeren Patienten erleben ein schlagartig und plötzlich einsetzendes Herzrasen mit regelmäßiger Herzaktion zw. 160-220/min. Viele Patienten können dieses anfallsartig auftretende Herzrasen durch bestimmte Manöver, wie z. B. Trinken kalten Wassers, Bauchpressen oder Husten beenden. Die Ablationstherapie kann diese Tachykardien anhaltend erfolgreich, mit einer Erfolgsquote von über 98 Prozent beseitigen.

Wolf-Parkinson-White-Syndrom

Normalerweise ist einzig der AV-Knoten in der Lage, elektrische Signale aus den Vorhöfen auf die Hauptkammern zu leiten. Etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung zeigen eine zusätzliche elektrische Verbindung zwischen den Herzvorhöfen und den Herzkammern, eine sogenannte Leitungsbahn. In Folge kann es bereits in der Kindheit zu plötzlichem Herzrasen kommen. Als Hinweis auf eine zusätzliche Leitungsbahn kann sich diese Kurzschlussverbindung im EKG als sogenannte Delta-Welle darstellen. Die Katheterablation (Verödung) dieser zusätzlichen Bahn ermöglicht in 98 Prozent der Fälle eine dauerhafte Beseitigung dieser Bahn und des damit verbundenen Herzrasens.

Ventrikuläre Tachykardie

Eine ventrikuläre Tachykardie (VT) stellt in den meisten Fällen eine lebensbedrohliche Rhythmusstörung des Herzens dar. Patienten bemerken davon meist Herzrasen, Brustschmerz oder Schwindel, bis hin zu einer Bewusstlosigkeit. Eine ventrikuläre Rhythmusstörung (Tachykardie) erfordert die unverzügliche stationäre, meist notärztliche Einweisung in ein Krankenhaus. Ursächlich ist in den meisten Fällen eine Vernarbung des Herzkammergewebes, in Folge eines Herzinfarktes. Aufgrund der oftmals kritischen Kreislaufsituation erfordert eine ventrikuläre Tachykardie meist eine Notfalltherapie (Medikamente, elektrische Kardioversion). Im Anschluss daran steht immer die Klärung der zugrundeliegenden Ursache an erster Stelle. Die weitere Behandlung ist abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung, und dem Typ der ventrikulären Herzrhythmusstörung.

• Die Implantation eines Defibrillators, der lebensbedrohliche
   Rhythmusstörungen erkennen und beenden kann, kommt bei
   lebensbedrohlichen Herzkammerrhythmusstörungen zum Einsatz. Der
   plötzliche Herztod kann durch ein solches System wirksam verhindert
   werden.
• Die Katheterablation kann stabile Herzkammerhythmusstörungen erfolgreich
   behandeln und in ihrer Häufung reduzieren. Bei Patienten mit potentiell
   bedrohlichen Herzkammerrhythmusstörungen ist jedoch ein
   Defibrillatorsystem zum Schutz vor dem plötzlichen Herztod in der Regel
   dennoch notwendig. Erhebliche Linderung können Patienten durch die
   Katheterablation erfahren, wenn ein Defibrillator aufgrund häufiger
   Herzkammerrhythmusstörungen oft eingreifen muss (-Schockabgaben durch
   den Defibrillator)
• Medikamentöse Therapie gegebenenfalls zusätzlich zur oben genannten
   Therapie

Ventrikuläre Extrasystolie

Von einer ventrikulären Tachykardie (VT) abzugrenzen ist die ventrikuläre Extrasystolie. Diese Rhythmusstörung entsteht meist im sogenannten rechts-, beziehungsweise linksventrikulären Ausflusstrakt des Herzens. Diese in der Regel unabhängig von anderen Herzerkrankungen auftretende Rhythmusstörung ist bezüglich des plötzlichen Herztodes als gutartig einzuschätzen, kann aber durch ein unangenehmes anhaltendes Herzstolpern, einen niedrigen Puls, Schwindel sowie eine deutliche Einschränkung der Belastbarkeit und des Befindens sehr unangenehm sein. In Einzelfällen kann sich durch die massiv gehäuften ventrikulären Extrasystolen auch eine Pumpschwäche des Herzens (Herzinsuffizienz) entwickeln. Das Langzeit-EKG betroffener Patienten zeigt oft bis zu 20.000 ventrikulärer Extrasystolen (VES) innerhalb von 24 Stunden. Durch die Katheterablation gelingt es uns in etwa 90 Prozent der Fälle diese Herzrhythmusstörung dauerhaft zu beseitigen.