Sie sind hier: Enddarmzentrum/Leistungsspektrum/Chronische Obstipation/

Chronische Obstipation

Die chronische Obstipation ist entsprechend der ROM-III-Kriterien und der aktuellen Leitlinie "Chronische Obstipation" dadurch charakterisiert, wenn subjektiv unbefriedigende Stuhlentleerungen vorliegen, die mindestens über einen Zeitraum von drei Monaten bestehen und mindestens 2 der folgenden Leitsymptome beinhalten:

-       Starkes Pressen zur Defäkation

-       Klumpiger oder harter Stuhl (feste Stuhlkonsistenz)

-       Gefühl der unvollständigen Entleerung

-       Subjektive Obstruktion oder

-       Manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation,

         jeweils bei >25% der Stuhlentleerungen, oder

-       < 3 Stühle pro Woche.

Bereits auf den ersten Blick auf die o.g. Definition wird deutlich, dass eine einheitliche Definition der "chronischen Obstipation" schwierig ist und in vielen Fällen den individuellen Symptomen der Patienten nicht gerecht wird.

    Ursachen der chronischen Obstipation

    Ursächlich werden faserarme (ballaststoffarme) Kost, verringerte Flüssigkeitszufuhr, mangelnde Bewegung und Unterdrückung des Defäkationsreizes als ätiologisch „triggernde“ Faktoren beschrieben. Ein kausaler Zusammenhang besteht jedoch nicht.

    Als weitere Ursachen sind die sog. "sekundären" Formen der medikamentös bedingten Obstipation sowie neurologische, endokrine oder systemische Erkrankungen, die zur Obstipation führen, in der Ätiologie bedeutsam.
    Zudem kann eine chronische Obstipation – insbesondere schwere Verlaufsformen und die „slow transit constipation“ (verlängerte intestinale Passagezeit bzw. verlängerte Kolon-Transit-Zeit) – mit Veränderungen mit enterischen Neuropathien und/oder Myopathien sowie Veränderungen an intestinalen Schrittmacherzellen bzw. Neurotransmittern vergesellschaftet sein.

    Stuhlentleerungsstörung

    Die Stuhlentleerungsstörung ist klinisch dadurch gekennzeichnet, dass eine gestörte Entleerung des Rektums bei normaler Stuhlfrequenz vorliegt. Synonym werden heute die Begriffe Defäkationsobstruktion, Outlet-Obstruktion, „Obstruktives Defäkations-Syndrom“ („ODS“) oder „obstructed defecation“ verwendet. Eine ODS-Symptomatik ist häufig Bestandteil funktioneller Erkrankungen des Beckenbodens und bedeutet für die meist weiblichen Patienten einen wesentliche Einbuße der Lebensqualität, wobei Übergänge oder Koinzidenzen mit der slow-transit-Obstipation, dem Reizdarm-Syndrom und der Stuhlinkontinenz fließend sind.

    Mögliche morphologisch-organische Ursachen einer Stuhlentleerungsstörung können sowohl im Kolon und Rektum auftreten, darüber hinaus sind kombinierte Pathologien, die den Beckenboden betreffen, möglich.

    Neben morphologisch-organischen Befunden müssen funktionelle Störungen des Beckenbodens und des Rektums abgegrenzt werden. Hierbei zeigen Patienten mit funktionell bedingter Störung eine paradoxe Reaktion der Beckenbodenmuskulatur und des M sphinkter ani externus oder eine fehlende Relaxation des unwillkürlichen M. sphinkter ani internus. Durch die erweiterten diagnostischen Möglichkeiten (neurologische Basisuntersuchung, Beckenboden-EMG, Pudendusdiagnostik, zusätzlich Manometrie und MR-Defäkografie) ist es möglich geworden, diese funktionellen Störungen zu diagnostizieren.

     

    Differenzialdiagnose "Obstipation"

    Die proktologische und/oder gastroenterologische Diagnostik der „Obstipation“ hat als oberstes Ziel, anatomisch-morphologische von funktionellen Pathologien zu differenzieren, wobei dies im klinischen Alltag nicht immer möglich ist, insbesondere da kombinierte Funktionsstörungen häufig sind. Bereits die häufig initial berichtete Symptomvielfalt (z. B. Gefühl der unvollständigen Entleerung, wiederholte Defäkation, Digitation) und die Assoziation mit auf den ersten Blick unspezifischen Beschwerden (z.B. Blutabgang, Schmerzen, Blähungen) machen die Differenzialdiagnose von funktionellen Erkrankungen (z. B. Reizdarm-Syndrom) nicht selten schwierig.

    Unbestritten ist die Notwendigkeit, eine generalisierte Transportstörung (slow-transit-Obstipation) von einer segmental verursachten Entleerungsstörung ("ODS") zu differenzieren. Darüber hinaus kann die Ursache der Obstipation bzw. der Stuhlentleerungsstörung verschiedene Kompartimente bzw. Entitäten (Beckenboden - Rektum - Kolon) betreffen.

    Die umfassende, gleichzeitig differenzierte und individuell an den Leitsymptomen orientierte Diagnostik und die nachfolgende optimale Behandlung sind wegen der vielfältigen Ursachen und klinischen Ausprägungsformen nicht selten eine Herausforderung – insbesondere, da weder eine exakte, d.h. einerseits umfassende, andererseits individuell orientierte Definition der chronischen Obstipation noch des  „ODS“ vorliegt noch allgemein akzeptierte bzw. verlässliche Diagnosealgorithmen bestehen.

     

    Behandlung der Obstipation und Stuhlentleerungsstörung

    Die Behandlung reicht von konservativen bis zu operativen Optionen, wobei die Art der Behandlung immer individuell anhand eines „Stufenkonzepts“ mit den Patienten festgelegt wird – in Abhängigkeit der Symptome, der Beeinflussung der Lebensqualität und der vorliegenden Befunde. Ein konservativer Behandlungsversuch steht immer an erster Stelle.